Monty Roberts – über Vertrauen, Klarheit und Führung!
Vor wenigen Tagen ist Monty Roberts im Alter von 91 Jahren gestorben. Der amerikanische Pferdetrainer wurde weltweit als „Pferdeflüsterer“ bekannt und prägte mit seiner Arbeit einen anderen Umgang mit Pferden – geprägt von Wahrnehmung, Körpersprache und Vertrauen.
Im April 2010 hatten wir die Gelegenheit, ihn in der Wiener Stadthalle persönlich zu erleben. Meine Tochter Valerie Wallner hatte damals gerade eine Seminararbeit über Monty Roberts geschrieben – umso besonderer war dieser Abend für uns.
Monty Roberts Leben, sein Zugang zu Pferden und die Überzeugung, dass Vertrauen nicht erzwungen werden kann, sondern entstehen muss, faszinieren mich.
Mit „Join-Up“ entwickelte er eine Methode, bei der das Pferd nicht gebrochen oder unterworfen wird. Es geht darum, seine Sprache wahrzunehmen und über Körpersprache, Distanz, Präsenz und den richtigen Moment Verständigung entstehen zu lassen. Irgendwann geschieht etwas Entscheidendes:
Das Pferd entscheidet sich, näherzukommen und zu folgen.
Dafür muss zuerst der Mensch etwas tun: wahrnehmen, sich selbst beobachten, die eigene Absicht klären und spüren, was die eigene Haltung beim Gegenüber auslöst. Geduldig genug sein, um nicht sofort den nächsten Schritt erzwingen zu wollen. Ein Pferd zeigt sehr unmittelbar, ob das gelingt. Es lässt sich von Worten nicht beeindrucken und reagiert auf das, was tatsächlich da ist.
Innere Klarheit führt
Wer Vertrauen ermöglichen will, braucht zuerst Klarheit in sich selbst. Dazu gehört, die eigene Haltung zu kennen, die eigene Absicht zu verstehen und wahrzunehmen, was das eigene Verhalten beim Gegenüber auslöst.
Auch Widerstand bekommt dadurch eine andere Bedeutung. Er ist nicht einfach etwas, das beseitigt werden muss, sondern eine Rückmeldung. Vielleicht ist etwas noch nicht klar, noch nicht sicher oder noch nicht stimmig. Vielleicht braucht es einen anderen Zugang, mehr Zeit oder zunächst mehr Klarheit bei uns selbst.
Auch in Führung wirkt diese innere Klarheit lange bevor wir etwas sagen oder eine Richtung vorgeben. Je klarer wir uns selbst kennen, desto bewusster können wir führen, wahrnehmen und Beziehung gestalten.
Monty Roberts’ Art, mit Pferden zu arbeiten, eröffnet auch über die Pferdewelt hinaus einen interessanten Blick darauf, was möglich wird, wenn Klarheit, Wahrnehmung und Vertrauen zusammenkommen.
Vertrauen beginnt mit Klarheit.
Und Klarheit führt.
